Dritte Woche

Montagmorgen hiess es früh aufstehen, denn ich hatte um halb acht einen Termin beim Rektor der Schule. Also nahm ich den Schulbus um 7.30 Uhr, der pünktlich mit fünf Minuten Verspätung auch erschien. Wir mussten zuerst zum Rektor der Schule gehen, damit er uns in die verschiedenen Klassen einteilen konnte. Doch da war kein Rektor. Also sagte man uns wir müssten warten. Um halb neun informierte uns seine Sekretärin, dass der Termin vor einer Woche gewesen wäre und wir doch morgen wieder kommen sollen. Also ging es ab nach Hause und rein in das warme Bett. Denn in Peru ist im Moment tiefster Winter, bei Temperaturen unter 20 Grad muss man schon aufpassen, dass einen die Grippe nicht packt.

Am nächsten Tag ging es wie ausgemacht um 14.00 Uhr in die Schule, damit uns der Rektor um 16 Uhr mitteilen konnte, dass ich doch erst am nächsten Montag wieder zu kommen bräuchte. So macht Schule Spass.

Da hatte ich nun Zeit, eine Woche, ganz schön viel, wenn man nicht weiss, was man machen sollte. Am Mittwoch ging ich das erste Mal nach Miraflores, ein Stadtteil in Lima, traumhaft. Und ich habe zum ersten Mal Touristen gesehen. Meines Empfindens nach ist Miraflores wie eine spanische Stadt am Meer. Es tat gut, Lima jetzt mal als Stadt gesehen zu haben und nicht nur als Wohnsiedlung mit Läden. Ich freue mich schon, nach San Isidro zu gehen. Was man natürlich erwähnen muss, sind die teureren Preise in den touristischeren Gegenden. Es kann schon vorkommen, dass ein Wasser statt 1 Sol 3 Soles kostet (1Fr.). Doch die Preise hängen eigentlich nur von der Hautfarbe und den Spanischkenntnissen ab. So war ich sehr stolz, als ich in einem Kiosk bemerkte, wie mich die Verkäuferin übers Ohr hauen wollte. In Lima hat es viele kleine Häuschen auf den Trottoirs, welche wie ein Kiosk sind.

Am Donnerstag verliess mich nun auch meine peruanische Gastschwester. Es fiel mir extrem schwer, sie gehen zu lassen. So schnell kann man jemanden ins Herz schliessen. Sie stand mir stets zur Seite hier in Peru. Doch sie wird ihr Austauschjahr in Deutschland geniessen, da bin ich mir sicher.

Am Freitagabend ging ich mit Freunden erneut nach Miraflores. Und von dort weiter an eine Reu (kleine Fiesta). Denn Fiestas wären ja verboten für Austauschschüler. Es war das Abschiedsfestchen von einem Mädchen, das nach Taiwan geht. Doch interessanter war der Hinweg. Wir waren zu elft und wollten dorthin kommen. Also entschieden wir uns, alle zusammen EIN Taxi zu nehmen. Ich wusste ja, dass der Polizei herzlichst egal ist, wenn mal einer mehr in einem Auto mitfährt, als zugelassen wäre. Doch grad sieben Personen zu viel! Es war auf jeden Fall eine witzige Taxifahrt.

Samstags musste ich früh aufstehen und durfte dafür eine Austauschschülerin mit ihrer Familie nach Chaclacayo in den Country Club, in welchem ihr Vater Mitglied ist, begleiten. Das war sehr schön, alles war so sauber und aufgeräumt. Es bereitete mir grad ein bisschen Heimweh, so schöne saftige Wiesen zu sehen, einen kleinen See und sogar Enten. Doch fiel es mir dann umso schwerer, wieder durch Strassen zu fahren mit unfertigen Häusern, kaputten Fassaden und Leuten mit schmuddeliger Kleidung. Man kann es nicht leugnen, dass auch Armut herrscht in Peru, und dies wurde mir am gestrigen Tage wieder mehr bewusst.

Heute hatte ich nichts zu tun, ich verbrachte viel Zeit mit meiner Gastfamilie. Und wir schauten auch eine DVD zusammen, welche hier in den Markthallen übrigens sehr günstig erworben werden können. Man kann teilweise für 1 Sol eine DVD kaufen, was ungerechnet etwa 30 Rappen macht. Nur bin ich mir noch nicht so sicher was Herr Urheberschutz von diesen Geschäften hält.

Vielleicht hört ihr ja bald von meinem ersten Schultag. Wann der stattfindet, will ich noch nicht versprechen. Doch ich gehe morgen mal im Büro des Rektors vorbei.

 

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