4 Monate

Vier Monate, und es kommt mir vor als würde ich schon ewig hier leben und doch verging die Zeit soooo schnell. Wie es mir geht, mir geht es blendend. Doch mein grosses Problem, wie ich meine teuren Reisen hier zahlen soll oder dass Spotify plötzlich nicht mehr funktioniert und ich jetzt mit meinem Handy, MP3 Player oder meinem iPod Musik hören muss. So also habe ich eigentlich die selben Probleme wie in der Schweiz.

Was wohl die bessere Frage wäre, wie geht es Peru? Das ist ein schwieriges Thema und wird wenn überhaupt, nur aus meiner Ansicht beantwortet. Peru ist mega günstig, wie cool, dass ich mit dem selben Sackgeld wie aus der Schweiz super leben kann. Hier ist halt alles günstig und die Leute arm, wenn ich dann zurück bin muss ich die Armut nicht mehr anschauen, doch ist sie dann auch weg? Wo soll ich anfangen, man kann auf dem selben Standard leben in Peru wie in Europa nur mit dem Unterschied, dass es hier Luxus ist. Ich will damit nicht sagen, dass wir es doch einfach schön haben. Denn damit reden wir uns gut, doch lösen keines Weges andere Probleme. Die Frage ist warum es nicht alle Leute so haben. Weil die die es gut haben, es immer besser haben wollen. Und weil der Glaube und das Vertrauen an den eigenen hier Staat fehlt. Es würde nie Jemand seine Kinder hier in eine staatliche Schule schicken, wenn er das Geld für eine private hat. Auch ich nicht, da ich schon die private kenne. Es war zu Beginn zugegebener Massen witzig, besser zu sein in Englisch als meine Englischlehrerin, doch wird es von Tag zu Tag trauriger. Wenn man sein Kind, dass eine Privatschule besucht in eine Englischakademie schicken muss damit es ein Fach lernt, welches es eigentlich schon gelehrt hätte. Es sind diese Dinge, jeder beklagt sich hier, doch  anstatt mehr in die Schule zu investieren, schicken sie die Kinder in die Akademie weil der Englischunterricht  sowieso schlecht ist an Schulen und bestimmt auch nicht besser wird. Oder man beklagt sich warum sein Laden, der neben zwei anderen Läden ist, die genau das selbe verkaufen, nichts einnimmt. Und es ist praktisch immer so, dass selbe Läden nebeneinander sind.  Dann haben wir Hilfsorganisationen hier, wo wir Austauschschüler die Möglichkeit haben mitzuhelfen. Dann gehen wir meistens einmal mit, dann machen wir Fotos und in Facebook sieht jeder ach wie fleissig doch geholfen wird. Oder man hilft in einer Organisation und führt das Meeting nachher im Kongressgebäude in Lima, mit nem Gläschen Wein und arrangiert  professionelle Marineratänzer zur Unterhaltung und natürlich wieder mit Kameras und Austauschschüler. Oder die gemeinen Diebe die probieren eines meiner elektronischen Geräte zu stehlen, mit dem Erlös dessen sie dann ihre Familie (besser) ernähren können. Solche Sachen brechen mir das Herz und lassen einem einfach schlecht fühlen, und das schlimmste ist, wie verhältst du dich, wenn dir jemand von all seinen Problemen seines Landes erzählt in dem du lebst und er fragt wie es bei uns aussieht. “hmm okay wir sind Ausländerfeindlich gegen genau so Leute wie du, die aus ihrem Land in unseres kommen wollen und sich ein besseres Leben erhoffen” ( Ich weiss, dass es nicht ganz so einfach gesagt werden kann). Und was mir zu denken gibt, dass ich noch nicht einmal die wirklich armen Viertel von Lima gesehen habe.

Es ist natürlich nicht nur schlecht hier, Peru hat wirklich Potential und es hat auch ein enormen Wirtschaftswachstum und man kann richtig spüren wie sich alles verbessert.  Doch ist praktisch alles und jeder hier korrupt.  Doch wer ist schon nicht korrupt? Die Hilfsorganisationen, helfen natürlich auch und sind von grossem Nutzen, nur verstehe ich das ganze drum herum nicht, wenn es doch nur ums Helfen geht, warum muss man dann allen zeigen, dass man geholfen hat? Es tut mir leid, dass ich nach so langer Funkstille grad so komme, doch ich wollte das gerne loswerden.  Und ich finde, es wäre gemein, wenn ich nur von meinen guten Eindrücken erzählen würde.

 

Postkarte:

Letzte Woche lag eine Karte auf meinem Esstisch und ich habe mich natürlich riesig darüber gefreut. Umso mehr war ich völlig verblüfft als mich meine Familie fragte, warum mir den jemand eine Karte schreibt, geht doch viel schneller übers Internet und ist dann noch gratis. Ich wurde umso weniger verstanden als ich sie nach einer Poststelle gefragt habe, wo ich Postkarten versenden kann. Warum will ich jetzt noch mit einer anderen langsamen Postkarte antworten, wenn es doch schon so lange gedauert hat, bis ich diejenige gekriegt habe. Sie rieten mir aber schlussendlich den Austauschleiter hier in Peru zu fragen wo es eine Post hat, denn der verschickt immer Briefe. Sie wüssten es nicht. ;) Als ich jetzt Heute eine Karte aus Malaysia gekriegt habe und ihnen erzählte dass die  104 Tage gebraucht hatte und ich es auch noch fand, gaben sie es auf mir zu erklären, dass es einfacher wäre übers Internet zu kommunizieren. Doch eines ist wohl das dümmste an den Karten,  jeder kann lesen was drauf steht. Ich glaube Postkarten, kann ich nicht mehr schmackhaft machen. Auf eine Art haben sie Recht, macht ja wirklich keinen Sinn, doch man freut sich einfach wenn man eine Postkarte vom anderen Ende der Welt kriegt.

Ich möchte an dieser Stelle gerne noch Rotary und meinen Eltern danken, ohne sie wäre mein Austauschjahr wohl nie so möglich gewesen, wie ich es jetzt habe. Ich bin sehr froh, die Welt mal von einer anderen Perspektive und aus anderen Augen sehen zu dürfen.

Der nächste Post ist dann über die Reise, welche jetzt auch schon einen Monat her ist.

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